Kleines Handlexikon Auxologie

Hier finden Sie nur eine kleine Auswahl an Stichworten. Bitte besuchen Sie auch die englischsprachige Seite oder schauen Sie in unser neues Buch: Hermanussen M (ed). Studying Human Growth and Development. Schweizerbart Science Publishers, Stuttgart. 2013. 

Akzeleration

Akzeleration (von lat. accelero - ich beschleunige) beschreibt den positiven Trend zu einer beschleunigten körperlichen Entwicklung der Kinder.

Die Akzeleration geht im Allgemeinen Hand in Hand mit dem säkularen Trend zu größerer Krperhöhe. Die Menarche (erste Regelblutung der Frau) hat sich in Mitteleuropa seit Mitte des 19. Jahrhunderts um fast 4 Jahre auf derzeit gut 13 Jahre vorverlagert.

 

AnthropometrieAnthropometronAnthropometron

Anthropometrie (von gr. anthropos, Mensch) ist die Lehre vom Messen des Menschen. Das früheste Gerät zur Messung der Körperhöhe, von dem eine Abbildung existiert, wurde 1654 von Johann Sigismund Elsholtz beschrieben (siehe nebenstehende Abbildung). Es zeigt die Messlatte, den beweglichen Kopfteil (regula) und die Fußplatte (basis), auf der der zu Messende steht.

 

Aufholwachstum

Unter Aufholwachstum (engl. catch up growth ) versteht man gesteigertes Wachstum, das kompensatorisch nach einer Phase verminderten Wachstums auftritt.

Aufholwachstum findet sich oft nach längerer Krankheit oder Mangelernährung und bewirkt, dass ein Kind denjenigen Wachstumskanal wieder erreicht, den es aufgrund der vorangegangenen Störung des Wachstums verlassen hatte.

 

Auxologie

Auxologie (von gr. auxo - ich vermehre, lasse wachsen) ist die Lehre vom körperlichen Wachstum und der Entwicklung des Kindes.

 

BMI

BMI (von engl. Body Mass Index, deutsch Körpermasse-Index) setzt das Körpergewicht ins Verhältnis zur Körperhöhe.

Der BMI wird wie folgt berechnet:

BMI = Körpergewicht / Körperhöhe²

Erwachsene mit einem BMI über 30 kg/m² gelten als adipös (siehe Fettsucht ), Erwachsene mit einem BMI zwischen 25 und 30 kg/m² nennt man übergewichtig, für Kinder gibt es altersabhängige Normwerttabellen.
 

Endgröße, zu erwartende Endgröße, maximale Körperhöhe

Die maximale Körperhöhe wird erst zu Anfang des dritten Lebensjahrzehntes erreicht. Auch junge Erwachsene wachsen also noch geringfügig, allerdings nur am Rumpf. Das Wachstum der Beine ist bei Knaben oft schon im Alter von 14-16 Jahren beendet, bei Mädchen sogar noch eher. Dann wächst nur noch der Rumpf, und die Proportionen normalisieren sich wieder. Ab dem vierten Lebensjahrzehnt werden Menschen wieder kleiner, allerdings langsam, kaum mehr als einen Millimeter pro Jahr. Es schrumpfen die Zwischenwirbelscheiben, im höheren Alter sintern aufgrund zunehmender Osteoporose (Verlust von fester Knochenstruktur) dann auch die knöchernen Wirbelkörper zusammen. Und das Fußgewölbe flacht ab (siehe auch Prospektive Endgröße, Zielgröße).

 

Entwicklungstempo

Das Tempo, bzw. die Geschwindigkeit, mit der ein Kind biologisch reift, ist nicht bei allen Kindern gleich. Manche Jugendliche sehen mit 12 Jahren noch aus 10-jährige, sind so groß wie 10-jährige und haben auch noch nicht mit ihrer sexuellen Reifeentwicklung begonnen; andere Jugendliche sehen mit 12 Jahren schon fast erwachsen aus und sind unter anderem auch sexuell weiter entwickelt als ihre Altersgenossen.

Aussehen und biologische Reife gehen nicht immer Hand in Hand mit der psychologischen und schulischen Entwicklung, aber die biologische Reife korreliert meist eng mit dem Wachstum und der knöchernen Entwicklung. Kinder, deren biologische Reife verlangsamt voranschreitet, liegen auch im Knochenalter (auch Skelettalter genannt) zurück, man nennt sie entwicklungsverzögert. Kinder, deren biologische Reife eher rascher zunimmt und deren Knochenalter dem chronologischen Alter vorauseilt, nennt man entwicklungsbeschleunigt.

 

Epiphysenfuge

Die Epiphysenfuge oder Wachstumsfuge ist eine schmale knorpelige Schicht zwischen dem Schaft (Diaphyse) eines Röhrenknochens und seinem gelenkzugewandten Abschluss (Epiphyse). Lange Röhrenknochen haben im Allgemeinen zwei Epiphysenfugen. Die Fugen haben eine wohlgeordnete Struktur, in der die Knorpelzellen nicht nur dicht nebeneinander, sondern zugleich auch säulenartig übereinander stehen, wodurch sie dem Wachstum des Röhrenknochens die Längsrichtung geben. EpihysenfugeEpihysenfuge

Die Abbildung zeigt einen Oberschenkelknochen (links). In der Mitte findet sich eine Vergrößerung des blau markierten Ausschnittes. Deutlich sichtbar ist die Säulenanordnung der Knorpelzellen, die rechts daneben nochmals schematisch dargestellt ist.

Epiphysenfugen werden in der Kindheit und Jugend zunehmend schmaler und verknöchern in recht festgelegter Reihenfolge etwa zum Zeitpunkt der Pubertät oder wenig später. Wenn die Fugen der langen Röhrenknochen – im Allgemeinen nach Abschluss der Pubertät – knöchern durchbaut sind, erlischt das längsgerichtete Wachstum. Weil nicht alle Epiphysenfugen gleichzeitig ausreifen und sich verschließen, verändern sich besonders während der Pubertät die Körperproportionen.

Fettsucht

Unter Fettsucht oder Adipositas versteht man die Erkrankung, die durch übermäßige Vermehrung des Fettgewebes hervorgerufen wird. Ein verhältnismäßig guter Indikator für Fettsucht ist der BMI. Bis auf sehr wenige Ausnahmen ist die Fettsucht ernährungsbedingt.

Zur Zeit nimmt das mittlere Gewicht der Menschen und die Anzahl fettsüchtiger Menschen in den Industrienationen kontinuierlich zu. In Deutschland steigt das Gewicht junger Wehrpflichtiger von Jahrgang zu Jahrgang um etwa 400 Gramm.

Auch im Kindesalter ist der Trend zu Fettsucht bereits sichtbar. Die Krankheit beginnt meist im frühen Kindesalter. Fettsucht ist familiär gehäuft. Fettsucht verursacht zahlreiche Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes), Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und orthopädische Probleme. Venus von WillendorfVenus von Willendorf

Fettsüchtig Menschen hat es wohl schon immer gegeben. Sehr frühe Darstellungen finden sich bereits in der Steinzeit. Die nebenstehende Abbildung zeigt die berühmte Venus von Willendorf.

 

Frankfurter Ebene

Das Messen der Körperhöhe ist nicht ganz einfach. Man steht zum Messen aufrecht mit dem Rücken gegen eine senkrechte Wand und blickt geradeaus. Dabei sollte der Kopf des zu Messenden aus Gründen des besseren Vergleiches in einer festgelegten Position gehalten werden. International hat sich eine Position durchgesetzt, in der der untere Rand der Augenhöhle (knapp unterhalb des unteren Augenlides) und der äußere Gehörgang auf einer horizontalen Ebene (der so genannten Frankfurter Ebene) liegen.

 

GigantGigantGigantismus

Man spricht von echtem Gigantismus oder Riesenwuchs ab einer Körpergröße von 7 1/2 Fuß, entsprechend 229 cm, andere Autoren nennen 8 Fuß, das sind 244 cm.

Eine derartige Körpergröße ist sehr selten und kann nur durch mehrjährige und exzessiv hohe Produktion von Wachstumshormon während der Kindheit hervorgerufen werden. Findet eine solche Produktion von Wachstumshormon erst im Erwachsenenalter statt, zeigt sich diese Krankheit als Akromegalie. Akromegalie ist die wesentlich häufigere Erwachsenenform des echten Gigantismus. Die Körperlängen kann nach Abschluss des Skelettwachstums nicht mehr wesentlich zunehmen, wohl aber das Wachstum der Akren, das sind die Endglieder und Spitzen des Körpers, wie Finger, Zehen, Nase etc. Akromegale Menschen haben einen typischen recht groben Gesichtsausdruck.

 

growth tracks

SDS VerläufeSDS VerläufeKinder gleichen Alters sind nicht alle gleich groß. Ihre Körpergrößen streuen um  einen Mittelwert. Man kann Körpergröße in SDS (engl. standard deviation score) ausdrücken. Das bedeutet, man drückt die Körpergröße relativ zum Mittelwert aus. 95 Prozent aller Größen liegen in einem Bereich zwischen minus zwei und plus zwei Körpergrößen-SDS. Die verbleibenden Kinder sind kleiner oder größer, d.h. liegen weiter vom Mittelwert entfernt und haben einen Körpergrößen-SDS von mehr als plus zwei oder weniger als minus zwei. Wenn Kinder wachsen, werden sie zwar größer an Zentimetern, aber sie können über viele Jahre auf demselben Körpergrößen-SDS verharren. Wenn Kinder schneller als andere wachsen, wechseln sie im Verlaufe von Jahren ihren Körpergrößen-SDS. Growth tracks sind langjährige Verläufe von Körpergrößen-SDS. Kinder, die mit einer Geschwindigkeit wachsen, die ihren Alters- und "Größengenossen" entspricht, verharren auf gleichbleibender Körpergrößen-SDS, sie haben also horizontale growth tracks. Kinder, die langsamer wachsen als ihre Genossen, haben abfallende growth tracks. Kinder, die schneller wachsen, haben aufsteigende growth tracks. Die Vorstellung von growth tracks ersetzt die herkömmliche Vorstellung von kanalisiertem Wachstum. Die Abbildung zeigt beispielhaft drei SDS-Verläufe von Mädchen, von denen eines mit mittlerer (oberes Bild), eines mit verlangsamter (mittleres Bild) und eines mit beschleunigter Geschwindigkeit (unteres Bild) reift und wächst. Der Zeitpunkt der mittleren Pubertät (wenn die Kinder am schnellsten wachsen) ist durch eine vertikale Linie gekennzeichnet. Eine mittlere Wachstumsgeschwindigkeit ist durch einen horizontalen Verlauf charakterisiert, eine gegenüber Gleichaltrigen verlangsamte Entwicklung zeigt meist eine nach unten gerichtete SDS-Zacke (üblicherweise vor dem Zeitpunkt des schnellsten pubertären Wachstums), eine beschleunigte Entwicklung eine nach oben gerichtete Zacke (üblicherweise nach dem Zeitpunkt des schnellsten pubertären Wachstums).


Größe und sozialer Status

Schon die Zweideutigkeit der Redewendung zu jemandem aufschauen legt einen Zusammenhang zwischen Körpergröße und sozialem Ansehen nahe. Tatsächlich kann ein solcher Zusammenhang in der Geschichte häufig beobachtet werden. Fast alle amerikanischen Präsidenten waren größer als der durchschnittliche Amerikaner. Fürsten und Könige waren bis in das 18. Jahrhundert im Schnitt mindestens 10 cm größer als die Bauern ringsherum.

 

Harris linesHarris linesHarris Linien

Harris Linien sind quer verlaufende röntgendichte Streifen, die in Röntgenbildern langer Röhrenknochen parallel zur Epiphysenfuge auftreten können.

Harris Linien sind ein Ausdruck vorausgegangener Störung des Längenwachstums. Nach Wachstumsstillständen, z.B. infolge von Krankheit oder Unterernährung, führt das folgende Aufholwachstum zu einer veränderten Knochenneubildung, die noch viele Jahre später als quer verlaufender röntgendichter Streifen zu erkennen sein kann.

Zur Bronzezeit lebten viele Menschen am Existenzminimum und mussten alljährlich im Frühjahr hungern. Auch die Kinder hungerten und wuchsen periodisch schlecht oder gar nicht. Die Abbildung zeigt Röntgenbilder knöcherner Überreste von Jugendlichen, die starben und in Urnen beigesetzt wurden. Man sieht noch heute Harris Linien, die in regelmäßigen Abständen wie Jahresringe an Bäumen alljährlich im Frühjahr zur Hungerzeit entstanden sein müssen.

 

Hautfettfaltendicke

An bestimmten Stellen des Körpers (z.B. unterhalb der Schulterblätter oder am seitlichen Oberarm) wird gern die Dicke der Hautfettfalten gemessen, um die Fettmasse des Körpers und ggf. das Ausmaß der Fettsucht abzuschätzen.

 

Hochwuchs

Menschen mit einer Körperhöhe oberhalb der 97. Perzentile werden definitionsgemäß als hochwüchsig oder großwüchsig bezeichnet, extremer Hochwuchs mit einer Körperhöhe von über 229 cm gilt als Riesenwuchs oder Gigantismus.

Hochwuchs ist nicht gleichbedeutend mit krank, sondern ist ein ausschließlich statistisch benutzter Begriff. Oft haben hochwüchsige Kinder hochwüchsige Eltern. D.h. wenn die Körperhöhe dieser Kinder auf die Körperhöhe ihrer Eltern bezogen und die Zielgröße bestimmt wird, die man aus den elterlichen Größen errechnet, sind diese Kinder normal groß.

Allerdings finden sich unter den hochwüchsigen Menschen auch solche, die krank sind. Es gibt einige hormonelle und einige genetische Erkrankungen, die mit einem gesteigerten Längenwachstum einhergehen. Viele Kinder, die für ihr Alter zu groß erscheinen, sind konstitutionell entwicklungsbeschleunigt, d.h. sie haben ein beschleunigtes Entwicklungstempo, kommen etwas früher in die Pubertät und sind früher ausgewachsen. Sie sind aber vollkommen gesund und werden später an Körperhöhe von den gleichaltrigen wieder eingeholt. Zu den entwicklungsbeschleunigten Kindern gehören oft die fettsüchtigen.

Die medizinische Diagnostik bei Hochwuchs ist umfangreich und schließt immer ein Röntgenbild der linken Hand zur Bestimmung des Knochenalters ein. Häufige mögliche Ursache für Hochwuchs ist ein beschleunigtes Entwicklungstempo aufgrund einer erhöhten Ausschüttung von Steroidhormonen bei frühnormaler oder verfrühter Pubertät (Pubertas präcox) oder bei Stoffwechselstörungen der Steroidsynthese (z.B. beim adrenogenitalen Syndrom). Kinder mit diesen Erkrankungen sind meist nur während der Kindheit zu groß. Unbehandelt reifen sie zu schnell und bleiben als Erwachsene oft klein. Weitere hormonelle Erkrankungen sind die Schilddrüsenüberfunktion und der sehr seltene Wachstumshormonüberschuß, der beim Erwachsenen zur Akromegalie, bei Kindern aber zu einem echten Riesenwuchs (Gigantismus) führen kann; die Insulinüberproduktion führt bereits vor der Geburt zu einer bedeutsamen Steigerung der Größe und des Gewichts.

Andere mögliche Ursachen für Hochwuchs sind Veränderungen der Zusammensetzung des Bindegewebes, wie beim häufigen Marfan-Syndrom oder der Homocystinurie. Ferner gibt es zahlreiche genetische Syndrome, die zu Hochwuchs führen, unter anderen das Sotos-Syndrom und die zahlenmäßige Vermehrung von X oder Y-Chromosomen (die Trisomie X bei Frauen und das Klinefelter-Syndrom beim Mann) und das XYY-Syndrom. Bleibt die Pubertätsentwicklung aus, entsteht ein eunuchoider Hochwuchs wie z.B. beim Kallmann-Syndrom.

 

Konstitutionelle Entwicklungsbeschleunigung

Viele gesunde Kinder entwickeln sich rascher als andere. Sie sind in der Kindheit oft größer als ihre Altersgenossen und kommen früher in die Pubertät. Sie bleiben aber nicht dauerhaft groß. Die konstitutionelle Entwicklungsbeschleunigung tritt familiär gehäuft auf und ist eine Normvariante des gesunden Wachstums.

Bevor gesagt wird, ein bestimmtes Kind sei konstitutionell entwicklungsbeschleunigt, müssen eine Reihe von Erkrankungen ausgeschlossen werden. Hormonbildende Tumoren können die Entwicklungsgeschwindigkeit eines Kindes beeinflussen, und besonders bei Mädchen kann es zu einem vorzeitigen Beginn der Pubertät kommen (Frühpubertät, Pubertas praecox). In diesen Fällen ist nicht nur die Entwicklungsgeschwindigkeit beschleunigt, sondern – durch die viel zu rasche Ausreifung der Epiphysenfugen – oft auch die Endgröße des Kindes herabgesetzt, d.h. die Kinder bleiben als Erwachsene kleiner.

 

Konstitutionelle Entwicklungsverzögerung (KEV)

Viele gesunde Kinder entwickeln sich mit einem langsameren Entwicklungstempo als andere. Sie sind in der Kindheit kleiner, und sie kommen später in die Pubertät als andere.

Die Mädchen haben auch ihre erste Regel zumeist später. Kinder mit einem verlangsamten Entwicklungstempo holen ihre Altersgenossen in bezug auf Körpergröße zumeist wieder ein, d.h. sie bleiben nicht dauerhaft klein. Die KEV tritt familiär gehäuft auf und ist eine Normvariante des gesunden Wachstums.

 

Kleinwuchs

Menschen mit einer Körperhöhe unterhalb der 3. Perzentile werden definitionsgemäß als kleinwüchsig bezeichnet. Kleinwüchsigkeit ist nicht gleichbedeutend mit krank, sondern ist ein ausschließlich statistisch benutzter Begriff. Oft haben kleinwüchsige Kinder kleinwüchsige Eltern. D.h. wenn die Körperhöhe dieser Kinder auf die Körperhöhe ihrer Eltern bezogen und die Zielgröße bestimmt wird, die man aus den elterlichen Größen errechnet, sind diese Kinder normal groß.

Allerdings finden sich unter den kleinwüchsigen statistisch häufiger auch kranke Menschen, denn viele, und besonders chronische Krankheiten, gehen mit einer Störung des Längenwachstums einher. Die meisten Kinder, die für ihr Alter zu klein erscheinen, sind konstitutionell entwicklungsverzögert, d.h. sie haben ein verlangsamtes Entwicklungstempo, kommen etwas später in die Pubertät als gleichaltrige, sind aber vollkommen gesund und erreichen im Allgemeinen auch eine normale Erwachsenengröße.

Die häufigste Ursache für einen deutlichen Kleinwuchs ist die Achondroplasie. Sie kommt etwa einmal auf 4000 bis 10000 Menschen vor. Menschen mit Achondroplasie hat es in allen großen menschlichen Ansiedlungen gegeben, und sie sind schon vor Jahrtausenden dargestellt worden, wie die nebenstehende Abbildung aus dem Alten Ägypten zeigt.

Die medizinische Diagnostik bei Kleinwuchs ist umfangreich und schließt immer ein Röntgenbild der linken Hand zur Bestimmung des Knochenalters ein. Kleinwuchs ist in den meisten Fällen keine Krankheit an sich, sondern Ausdruck anderer körperlicher Störungen, die auch das Wachstum beeinträchtigen.

Kinder mit chronischen Erkrankungen, das können Entzündungen sein (z.B. Morbus Crohn, oder rheumatische Erkrankungen), Störungen der Verdauungsfunktion (z.B. Zöliakie, das ist eine Unverträglichkeit gegen Getreidekleber), Störungen der Lungenfunktion (z.B. cystische Fibrose), Störungen der Nierenfunktion (z.B. nephrotisches Syndrom) oder dauerhafte Besiedlung mit Parasiten (z.B. Kinder mit chronischen Wurmerkrankungen aus tropischen Ländern) sind fast immer kleinwüchsig. Andere mögliche Ursachen für Kleinwuchs sind:

  • Essstörungen. Fehlernährte oder mangelernährte Kinder wachsen schlecht. Es gibt Untersuchungen, die belegen, dass Kinder, die makrobiotisch ernährt werden, kleiner und leichter sind als Vergleichskinder. Kinder mit Vitamin D Mangel (Rachitis) wachsen ebenfalls schlecht.
  • Viele Störungen des Aminosäure- und Zuckerstoffwechsels.
  • Zahlreiche Fehlbildungssyndrome. Da sind insbesondere die Störungen des Knochen- und Knorpelstoffwechels, die mit einer Verkürzung der Gliedmaßen und einem dysproportionierten Kleinwuchs einhergehen, wir erwähnten bereits die Achondroplasie. Chromosomale Aberrationen, das sind Veränderungen an Zahl oder Struktur von Chromosomen, gehen ebenfalls meist mit Wachstumsstörungen einher. Die häufigste chromosomale Aberration ist das Down-Syndrom (Trisomie 21, Mongolismus). Bei Mädchen kann das zweite X-Chromosom fehlen oder unvollständig vorhanden sein (Ullrich-Turner Syndrom).
  • Hormonelle Störungen. Kinder mit einer Unterfunktion der Schilddrüse, einer verminderten Produktion von Wachstumshormon (Wachtumshormonmangel) oder Kinder, die vermehrt das Stresshormon Cortisol bilden oder langfristig mit Steroiden behandelt werden, wachsen schlecht.
  • Störungen des kindlichen Wohlbefindens oder Störungen des sozialen Umfelds (psycho-sozialer Kleinwuchs). Kinder, die in Heimen oder unter starkem Stress leben, wachsen schlecht.

 

Knemometer

KnemometerKnemometerEin Knemometer (von gr. κνημη, der Unterschenkel) ist ein Präzisionsgerät zur Bestimmung der menschlichen Unterschenkellänge mit einer Genauigkeit von 60 bis 130 Mikrometern. Mit dieser Technik gelingt es, bei schnell wachsenden Individuen (z.B. bei Neu- und Frühgeborenen) Wachstumsraten innerhalb von 24 Stunden zu bestimmen. Bei Laborratten und Kaninchen wurde Wachstum sogar in 3-stündigen Abständen gemessen. Die Tiere sind während der Messung wach, Kaninchen kann lassen sich während der Messung sehr gemütlich im Arm halten. Ratten wachsen zwischen Mitternacht und 3 Uhr morgens gar nicht und haben maximale Wachstumsraten vormittags zwischen 6 und 9 Uhr.

 

Knochenalter (auch Skelettalter genannt)

Die knöcherne Entwicklung ist der am einfachsten zu messende Parameter der biologischen Reife. Die knöcherne Entwicklung wird anhand eines Röntgenbildes bestimmt. Es gibt Atlanten mit standardisierten Röntgenbildern der linken Hand. Die Atlanten zeigen die knöcherne Entwicklung in den verschiedenen Altersstufen an typischen Röntgenbildern. Die Abbildung zeigt die knöcherne Entwicklung eines 6-jährigen Knaben anhand des Röntgenbildes der linken Hand (links) und verschiedene Entwicklungsstufen im Bereich der Handwurzel (Ausschnittbilder).

Durch Vergleich der knöchernen Entwicklung eines Kindes mit Standardbildern wird das Knochenalter festgelegt und kann mit dem chronologischen Alter des Kindes verglichen werden. Zahlreiche Autoren haben Vorhersagetechniken für die Bestimmung der prospektiven Endgröße (das ist die aufgrund der biologischen Reife zu erwartende Endgröße) entwickelt, von denen die Techniken nach Tanner, Whitehouse und anderen (1983) und die Tabellen von Bailey und Pinneau (1952) auf der Basis der Knochenalterbestimmung nach Greulich und Pyle (1959) derzeit die meistgebräuchlichen sind.

 

Körpergewicht

Körpergewicht und Körperhöhe gehören zusammen, wenn das Wachstum eines Kindes beurteilt werden soll. Weil große Menschen schwerer sind als kleine, werden beide Werte meist miteinander in Beziehung gesetzt und der Körpermasse-Index oder BMI (von engl. Body Mass Index) berechnet. Die Messung des Gewichts ist wesentlich ungenauer als die Messung der Körperhöhe, denn sie schwankt durch Nahrungsaufnahme und Verdauung. Es empfiehlt sich, Gewichtsmessungen morgens nüchtern, kurz nach dem Aufstehen vorzunehmen. Wenn zur selben Zeit auch die Körperhöhe gemessen wird, muss man bedenken, dass die morgens gemessene Körperhöhe um etwa einen Zentimeter größer ist als die abends gemessene.

Die normale Schwankungsbreite für Gewicht und Body Mass Index (BMI) ist groß. Es gibt schmal gebaute (leptomorphe) und auch gedrungene (pyknomorphe) Menschen, die sich bei gleicher Größe zwar an Gewicht unterscheiden, nicht aber an Körperfett, und auch nicht krank sind. Liegt das Körpergewicht jedoch außerhalb der normalen Schwankungsbreite, muss man annehmen, dass eine solche Person wirklich zu dünn oder zu fett ist. Bei einem BMI über 25 kg/m² spricht man von Übergewicht (engl. overweight), bei einem BMI über 30 kg/m² von Fettsucht (Adipositas, engl. obesity), für Kinder gibt es altersabhängige Normwerte. Die Gesamtmenge an Körperfett lässt sich - bis auf den Anteil, der im Bauchraum gespeichert wird (abdominales Fett) - durch die Messung der Hautfettfaltendicke gut schätzen. Populär ist auch der Gebrauch von "Fettwaagen". Diese Waagen messen neben Körpergewicht auch Body Impedance und geben vermittels der Messung von elektrischer Leitfähigkeit des Körpers eine Information über den Wassergehalt des Körpers. Damit wird indirekte die Menge an Körperfett geschätzt. Weil handelsübliche "Fettwaagen" nur die elektrische Leitfähigkeit der unteren Körperhälfte messen, sind sie nicht immer zuverlässig.

Der Krankheitswert der Adipositas hängt nicht vom Body Mass Index allein ab, sondern auch sehr vom abdominalen Fett. Dieser Fettanteil wird weder durch die Messung der Hautfettfaltendicke, noch durch handelsübliche "Fettwaagen" zufriedenstellend erfasst. Eine Bauchumfangsmessung in Höhe des Bauchnabels lässt eine grobe Schätzung des abdominalen Fettes zu. Bei Erwachsenen und bei älteren Kindern und Jugendlichen soll dieser Umfang weniger als die Hälfte der Körperhöhe betragen,

 

Körperhöhe

Körperhöhe ist die im Stehen gemessene Höhe eines Menschen, Körperlänge die im Liegen gemessene Länge (die etwa 1 cm mehr misst als die im Stehen gemessene Höhe). Der Begriff Körpergröße lässt die Herkunft der Messung (ob im Stehen oder im Liegen) im Unklaren und wird bei älteren Kindern meist synonym mit Körperhöhe verwendet.

Messinstrumente zur Messung der Körperhöhe bestehen aus einer vertikalen Rückwand und einer beweglichen horizontalen Kopfplatte, unter der der zu Messende aufrecht steht. Anstelle der vertikalen Rückwand kann auch ein beliebiger Türrahmen oder eine lotrechte Wand genommen werden. Auch die für die Messung verwendete Kopfplatte muss nicht Teil eines käuflichen Messinstrumentes sein, sondern nur waagerecht. Während der Messung - dies ist besonders beim Messen von Kindern wichtig - sollte sich der Untersucher auf die Größe des zu Messenden einstellen und sich ggf. hinhocken, um dem zu Messenden waagerecht in die Augen zu blicken. Der Kopf des zu Messenden sollte durch leichtes Anheben der Kieferwinkel aufgerichtet werden. Bei Reihenmessungen empfiehlt sich, die sog. Frankfurter Ebene einzuhalten. Das früheste Gerät zur Messung der Körperhöhe, von dem eine Abbildung existiert, ist das 1654 von Johann Sigismund Elsholtz beschrieben Anthropometron.

 

Kurzzeitwachstum (short term growth)Kurzzeitwachstum vor und unter Wachstumshormon (tägliche Unterschenkellängenänderung)Kurzzeitwachstum vor und unter Wachstumshormon (tägliche Unterschenkellängenänderung)

Wachstum eines Kindes wird üblicherweise in Jahresabständen gemessen und als Wachstumsrate pro Jahr beurteilt. Wenn Aussagen über Wachstum in Zeiträumen von deutlich weniger als einem Jahr getroffen werden sollen, müssen Wachstumsmessungen sehr viel präziser sein und können nicht mehr mit den handelsüblichen Instrumenten zur Bestimmung der Körperhöhe (z.B. Stadiometer) vorgenommen werden. Weil sich die menschliche Unterschenkellänge mit einem Knemometer sehr präzise messen lässt, wird Kurzzeitwachstum üblicherweise durch Messungen der Unterschenkellänge (Knemometrie) bestimmt.

 

Minderwuchs

Minderwuchs ist die alte Bezeichnung für Kleinwuchs. Früher benannte man auch den Zwergwuchs mit einer Endgröße im Erwachsenenalter von unter 120 cm.

 

Mini-Wachstumsschub (mini growth spurt)

Kurzzeitwachstum verläuft nicht linear sondern in kleinen Schüben (Mini-Wachstumsschübe), die in Abständen von wenigen Tagen auftreten. Diese Schübe sind insbesondere bei Neu- und Frühgeborenen gut untersucht und haben eine Amplitude von wenigen Millimetern. Die Wachstumsgeschwindigkeit kann während dieser Schübe hoch sein und bis zu 0,2 Millimeter pro Stunde betragen. Zwischen diesen Schüben gibt es oft Perioden, in denen nicht oder kaum gewachsen wird (Stasis).

 

Neonatometer

Ein Neonatometer ist ein Messgerät zur präzisen Bestimmung der Körperlänge des liegenden Säuglings.

 

Normalbereich

Der Normalbereich ist der Bereich, der als normal, d.h. nach allgemeiner Übereinkunft als statistisch häufig, angesehen wird. Der Normalbereich (z.B. für Körpergröße) liegt definitionsgemäß zwischen der zweiten Standardabweichungen unter und der zweiten Standardabweichungen über der mittleren Körperhöhe einer bestimmten Bevölkerung. Der Normalbereich umfasst also knapp  95 Prozent aller Messwerte z.B. für Körperhöhe in einer bestimmten Bevölkerung. In der Auxologie wird der Normalbereich auch über Perzentilen definiert und liegt dann zwischen der 3. und der 97. Perzentile. Bei dieser Definition liegen genau 3 Prozent aller Kinder unter und genau 3 Prozent aller Kinder über dem Normalbereich.

 

Normalwerte, Referenzwerte

Normal ist das, was häufig ist. Normale Werte für Körpergröße oder Gewicht bedeuten, dass solche Größen oder Gewichte in der entsprechenden Bevölkerung häufig angetroffen werden. Sie geben keine Auskunft über Gesundheit oder Krankheit; mit anderen Worten, wer keine normale Körpergröße hat, ist deswegen nicht krank, er ist nur nicht so groß wie die meisten seiner Alters- und Geschlechtsgenossen. Normalwerte dienen oft als Referenzwerte, d.h. Körpergröße, Gewicht etc. eines Kindes werden mit den entsprechenden Normal (Referenz)-Werten abgeglichen.

Werte für Körpergröße, Gewicht und viele andere Parameter streuen um einen mittleren Wert. Streuung kann statistisch durch den Begriff der Standardabweichung ausgedrückt werden. Man kann Körpergröße, Gewicht etc. eines Kindes in Relation zu Normal (Referenz)-Werten ausdrücken. In diesem Fall werden SDS-Werte (z-Werte) oder Perzentilen verwendet.

 

Oberlänge-Unterlänge-Quotient

Die relative Länge von Rumpf und Beinen eines Körpers wird über den Quotienten aus Oberlänge und Unterlänge bestimmt. Dazu ertastet man die Oberkante des Schambeins (Symphyse) und teilt die Länge von Scheitel zur Symphyse (Oberlänge) durch die Länge von Symphyse bis zur Sohle (Unterlänge). Dieser Quotient ist bei Geburt am größten und auch während der Kindheit deutlich über 1.0. Schon vor Beginn der Pubertät fällt er unter 1.0 und ist zum Zeitpunkt der mittleren Pubertät am geringsten. Alternativ kann man auch die Sitzhöhe bestimmen, um sich einen Eindruck von der Körperproportion zu machen.

 

Perzentilen

Perzentilen sind Prozentangaben. Wird die Körpergröße eines Kindes in Perzentilen ausgedrückt, bedeutet dies, ähnlich wie bei der Angabe von SDS (von engl. standard deviation score), dass die Körpergröße in Bezug auf die Körpergrößen der Altersgenossen angeben wird. Eine Körpergröße auf der 50. Perzentile bedeutet, dass 50% der Kinder gleichen Alters und gleichen Geschlechts kleiner als das betreffende Kind sind; Körpergröße auf der 3. Perzentile bedeutet, dass 3% der vergleichbaren Kinder kleiner als das betreffende Kind sind.

Körpergröße unter der 3. Perzentile wird als kleinwüchsig, Körpergröße über der 97. Perzentile als groß-, oder hochwüchsig bezeichnet. Perzentilen werden üblicherweise auch für Gewicht, BMI und viele andere biologische Parameter angegeben.

 

Proportionales Wachstum

Verschiedene Teile des Körpers haben die Tendenz, proportional (allometrisch) zueinander zu wachsen. Diese Tendenz ist aber nicht sehr ausgeprägt. Aus diesem Grunde verändern sich die Körperproportionen während der Kindheit beträchtlich. Lange Röhrenknochen sind anfangs noch verhältnismäßig kurz, darum wirken beim Säugling und Kleinkind Kopf und Rumpf besonders groß. Später wachsen die Extremitäten schneller, und während der Pubertät sehen die Jugendlichen dann ganz besonders schlaksig aus. Während in der frühen Kindheit der Oberlänge-Unterlänge-Quotient also deutlich über 1.0 liegt, d.h. Kopf und Rumpf sind deutlich länger als die Beine, kehrt sich dieser Wert während der Pubertät um; nun sind die Beine länger als Kopf und Rumpf. Gegen Ende der Wachstumsphase normalisiert sich dieser Quotient, denn zuerst stoppt das Wachstum von Fingern und Zehen, dann von Unterarmen und Unterschenkeln, und zuletzt von Oberarmen und Oberschenkeln. Der Rumpf wächst noch bis ins frühe Erwachsenenalter. Darum haben Erwachsenen wieder einen etwas höheren Quotienten aus Oberlänge und Unterlänge als die Jugendlichen.

 

Prospektive Endgrößen

Prospektive Endgröße nennt man die zu erwartende Endgröße eines Kindes, berechnet auf der Basis des Knochenalters. Zu unterscheiden ist die Zielgröße, die sich aus den elterlichen Größen rechnen lässt. Es gibt Tabellen (z.B. von Bailey und Pinneau, 1952), die Auskunft darüber geben, wie viel Prozent der zu erwartenden Endgröße bei einem bestimmten Knochenalter erreicht sind. So lässt sich aus aktueller Körpergröße und Knochenalter eine prospektive Endgröße ableiten. Übliche Verfahren zur Bestimmung des Knochenalters stammen von Greulich und Pyle mit Tabellenwerken von Bailey und Pinneau, von Tanner, Whitehouse und anderen (1983), und Roche, Wainer und Thissen (1975).

 

Säkularer Trend

Als säkularen Trend (von lat. saeculum, Menschenalter, Generation) bezeichnet man den Trend zu (derzeit noch in vielen Ländern) zunehmender Körperhöhe und zunehmendem Körpergewicht. Der Trend wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts bemerkt und mehrfach ausführlich beschrieben (Lenz W, Kellner H, 1965; van Wieringen JC, 1986). Der säkulare Trend ist im Allgemeinen an eine Beschleunigung der kindlichen und pubertären Entwicklung gekoppelt (Akzeleration). So ist beispielsweise die mittlere Körperhöhe junger holländischer Männer seit 1863 um 19 cm von 165 cm auf nunmehr 184 cm angestiegen.

 

Saltation und Stasis-Modell

Miniaturwachstumsschübe bei 7 NeugeborenenMiniaturwachstumsschübe bei 7 NeugeborenenDas Saltation und Stasis-Modell beschreibt Kurzzeitwachstum als eine Abfolge von kurzen Sprüngen (Saltations) bei der Längenentwicklung, die von Perioden fehlender Wachstumsaktivität unterbrochen ist. Das Modell ist nicht unumstritten. Unsere eigene Gruppe betrachtet Wachstum als eine Folge kurzer sog. Miniaturwachstumsschübe, die in Abständen von wenigen Tagen auftreten und besonders bei Frühgeborenen durchaus auch mit Perioden annähernd linearer Längenzunahme abwechseln. Miniaturwachstumsschübe finden wir in sehr ähnlicher Ausprägung bei Kaninchen, Ratten und menschlichen Säuglingen und Frühgeborenen. Miniaturwachstumsschübe wurden nachgewiesen unter Verwendung präziser Unterschenkellängenmessungen (Knemometrie).

 

Skelettalter siehe Knochenalter

 

Standard deviation score (SDS) oder z-Wert

Körpergröße, Gewicht und viele andere Maße lassen sich absolut angeben, d.h. in Zentimeter, Kilogramm oder anderen Maßeinheiten. Sie lassen sich aber auch relativ, d.h. in Bezug auf etwas, angeben. Wird die Körpergröße eines Kindes relativ, d.h. in Bezug auf die Körpergröße der Altersgenossen, angeben, weiß man zwar nicht mehr, wie groß das Kind absolut, d.h. in Zentimetern, ist, man weiß aber, wie groß das Kind in Bezug auf vergleichbare, d.h. normalgroße Kinder ist. Der Normalbereich für Körpergröße ist durch Mittelwert (engl. mean) und Standardabweichung (engl. standard deviation) definiert. So lässt sich jede Körpergröße durch einen z-Wert oder SDS (engl. standard deviation score) relativ ausdrücken, d.h. in Bezug auf Mittelwert und Standardabweichung für Körpergröße dieser Bevölkerung. Z-Werte berechnen sich wie folgt:

 

SDS = (Messwert - Mittelwert der Bevölkerung)/Standardabweichung

 

Alle Körpergrößen zwischen -2 SDS und +2 SDS liegen definitionsgemäß im Normalbereich.

 

Sitzhöhe

Die Sitzhöhe ist die Höhe eines sitzenden Individuums abzüglich der Höhe der Sitzfläche. Die Sitzhöhe umfasst die Länge des Rumpfes (im Sitzen gemessen) plus die Länge des Halses und die Höhe des Kopfes. Der Vergleich von Sitzhöhe mit Körpergröße ermöglicht eine Schätzung der relativen Länge von Rumpf und Beinen. Die Sitzhöhe ist bei Geburt am größten und zum Zeitpunkt der mittleren Pubertät am geringsten.

Eine andere Möglichkeit, die relative Länge von Rumpf und Beinen zu bestimmen, ist das Messen des Oberlängen-Unterlängen-Quotienten. In diesem Fall dient die tastbare Oberkante der Symphyse als Trennung zwischen Ober- und Unterlänge.

 

Stadiometer

Ein Stadiometer ist ein Instrument zur Messung der Körperhöhe (Körpergröße). Die Messgenauigkeit liegt unter optimalen Bedingungen und gut ausgebildetem Personal bei etwa plus-minus 2 Millimetern. Messungen mit anderen, einfacheren Geräten oder gar am häuslichen Türrahmen sind weniger genau und haben einen Fehler von mindestens plus-minus 4 bis 5 Millimeter.

 

Stasis

Eine Periode fehlender Wachstumsaktivität zwischen 2 Saltations. Das Saltation und Stasis-Modell beschreibt Kurzzeitwachstum als eine Abfolge von kurzen Sprüngen und Perioden fehlender Wachstumsaktivität.

Wachstumskanal

Kinder wachsen meist relativ konstant in bezug auf ihre Altersgenossen, d.h. Kinder, die im Vergleich zu Gleichaltrigen klein sind, bleiben auch weiterhin meist klein, während großwüchsige Kinder im Allgemeinen groß bleiben. Kinder tendieren also dazu, in bezug auf die Körperhöhe auf ihrer Perzentile zu verharren und damit ihren Wachstumskanal beizubehalten. Allerdings zeigen neuere Studien, dass diese sog. Kanalisierung des Wachstums nicht sehr strikt ist und in allen Altersstufen große Abweichungen auftreten können. Aus diesem Grunde spricht man besser von growth tracks als vom Wachstumskanal. Die Vorstellung von growth tracks ist flexibler und zeigt besser die verschiedenen Möglichkeiten, die das individuelle Wachstum nehmen kann.

 

Wachstumskurven

Unter der Wachstumskurve (engl. growth curve) eines Kindes versteht man meist den individuellen Verlauf der Zunahme seiner Körpergröße unter Berücksichtigung des Verlaufes seiner Altersgenossen (dabei wird die individuelle Körpergröße graphisch auf den Bevölkerungsstandard aufgetragen). Oft wird mit dem Begriff der Wachstumskurve aber auch die graphische Darstellungen eines Bevölkerungsstandards (engl. growth chart, niederl. Groeidiagrammen) verstanden (man spricht dann von deutschen, englischen oder niederländischen etc. Wachstumskurven).

 

Wachstumsrate

Die Zunahme von Körpergröße pro Zeiteinheit wird als Wachstumsrate oder Wachstumsgeschwindigkeit bezeichnet. Die Wachstumsrate wird im Allgemeinen in Zentimeter pro Jahr angegeben. Sie ist kurz nach der Geburt am höchsten und beträgt annähernd 25 cm im ersten Lebensjahr. Sie fällt anschließend bis auf etwa 6 cm im letzten Jahr vor Beginn der Pubertät und steigt erneut während der Pubertät an (Pubertätswachstumsschub).

Individuell schwankt die Wachstumsrate beträchtlich. Es gibt neben den kurzfristigen Mini-Wachstumsschüben noch eine Reihe von Wachstumsschüben, die in Abständen von ca. 2 Jahren auftreten. Unmittelbar vor der Pubertät sind Jahreswachstumsraten zwischen 4 cm/Jahr und 8 cm/Jahr normal.

 

Wachstumsschmerzen

Oft klagen Kinder im Kindergarten- oder Schulalter, dass ihnen nachts die Beine weh tun. Der Schmerz wird wechselnd links oder rechts, im Allgemeinen im Bereich der großen Epiphysenfugen des Knies angegeben. Weil Kinder dieses Alters wachsen, nennt man diese uncharakteristischen Beschwerden ganz einfach Wachstumsschmerzen. Ob aber die Beschwerden mit Wachstum etwas zu tun haben, ist ungewiss.

Weil wir jedoch wissen, dass sich der Körper im Rahmen der zirkadianen Rhythmik nachts ausdehnt, und während der Mini-Wachstumsschübe mit Wachstumsgeschwindigkeiten von bis zu 0,2 Millimetern pro Stunde wachsen kann, sollte es nicht verwundern, dass Kinder Beschwerden haben, wenn sich das knorpelige Gewebe der Epiphysenfuge so schnell dehnt.

Wachstumsschmerzen sind immer eine Ausschlussdiagnose. Nur wenn alle anderen Ursachen für die Schmerzen ausgeschlossen sind, darf man von Wachstumsschmerzen sprechen. Man muss also ganz sicher sein, dass Knochenentzündungen, rheumatische Erkrankungen und Tumoren als Ursache für die nächtlichen Schmerzen in den Beinen ausgeschlossen sind.

Wachstumsschmerzen lassen sich gut mit Paracetamol oder Ibuprofen lindern, manchmal reicht aber auch schon die Psychologie einer mütterlichen Hand oder ein Wärmekissen.

 

Zielgröße

Zielgröße ist die zu erwartende Endgröße eines Kindes, berechnet auf der Basis der elterlichen Größen. Nach Tanner (1986) wird die Zielgröße wie folgt berechnet:

Männliche Zielgröße = (Größe des Vaters + Größe der Mutter)/2 plus 6 cm

Weibliche Zielgröße =  (Größe des Vaters + Größe der Mutter)/2 minus 6 cm

Nach Hermanussen und Cole wird die Zielgröße in Größen-SDS angegeben und für beide Geschlechter wie folgt berechnet: Der erwartete Endgrößen-SDS ist der Mittelwert des Größen-SDS des Vaters und des Gößen-SDS der Mutter, multipliziert mit 0,72.

 

Zirkadiane Rhythmik

Die Körperhöhe misst morgens etwa einen bis anderthalb Zentimeter mehr als abends. Das nennt man zirkadiane oder Tag/Nacht-Rhythmik und ist u.a. durch Unterschiede im Wassergehalt des Körpers bedingt. Weil auch das Wachstumshormon überwiegend nachts ausgeschüttet wird, schließt man oft voreilig, dass auch das Wachstum des Kindes - im Sinne von Zellteilung - überwiegend nachts stattfindet. Das ist aber nicht gesichert. Allerdings haben Kinder oft Beschwerden in den Beinen, die nachts im Bereich der großen Wachstumsfugen auftreten und Wachstumsschmerzen genannt werden.